Fertiggarage setzen: Wann Sie wirklich einen Kran brauchen
Kurzantwort: Rund 95 Prozent aller Betonfertiggaragen stellt der Hersteller mit einem speziellen Versatzfahrzeug auf. Die Kosten stecken bereits im Kaufpreis. Ein Mobilkran wird erst nötig, wenn die Zufahrt zu eng ist, der Untergrund die Achslast nicht trägt oder das Fundament weiter entfernt liegt, als der Arm des Fahrzeugs reicht. Dann kostet der Einsatz je nach Krangröße meist 500 bis 2.000 € netto. Über die Krangröße entscheidet dabei nicht das Gewicht allein, sondern das Zusammenspiel aus Gewicht und Ausladung. Stand: August 2026.

Versatzfahrzeug oder Mobilkran? Die vier K.-o.-Kriterien
Betonfertiggaragen kommen als Ganzes auf einem Spezialtransporter. Ein Versatzfahrzeug mit schwenkbarem Hubrahmen nimmt die Garage auf und setzt sie direkt auf das vorbereitete Fundament. Solche Fahrzeuge tragen je nach Bauart bis etwa 16 Tonnen und werden von einem einzigen Fahrer bedient. Für den Käufer ist das der Normalfall: Hersteller beziffern den Anteil auf rund 95 Prozent ihrer Lieferungen, und die Kosten sind im Lieferpreis enthalten. Liegt das Garagengewicht über der Traglast des Versatzfahrzeugs, ist der Kran dagegen von vornherein gesetzt.
Ob das bei Ihnen funktioniert, hängt an vier Bedingungen, die Hersteller in ihren Aufstellbedingungen nennen (die folgenden Werte stammen aus den Aufstellbedingungen des Herstellers Fertiggaragen Sehn und liegen bei anderen Anbietern ähnlich):
- Zufahrt: mindestens rund 9 Meter gerade Anfahrt vor dem Stellplatz, Durchfahrtsbreite etwa 3,5 Meter, Durchfahrtshöhe etwa 4 Meter
- Tragfähigkeit: der Boden auf dem Anfahrtsweg muss Achslasten um 12 Tonnen aushalten; weicher Untergrund braucht vorher eine Schotterschicht von rund 25 Zentimetern
- Abstand zum Fundament: der Hubrahmen schwenkt seitlich nur wenige Meter aus; liegt das Fundament hinter dem Haus, hinter einer Mauer oder quer über einen Graben, kommt das Fahrzeug nicht hin
- Hindernisse in der Höhe: Stromleitungen, Äste oder ein Carport über dem Schwenkbereich blockieren den Rahmen genauso wie ein zu schmales Tor
Die genauen Werte weichen je nach Hersteller ab, deshalb lohnt sich der Blick in dessen Aufstellbedingungen, bevor Sie bestellen. Scheitert auch nur eines der vier Kriterien, bleibt der Mobilkran. Und den bestellt in vielen Fällen nicht der Hersteller, sondern Sie als Bauherr, samt Kosten und Organisation.
Bei Stahl- und Holzgaragen stellt sich die Frage selten: Sie wiegen als Bausatz meist unter einer Tonne, werden in Einzelteilen geliefert und vor Ort montiert, ganz ohne Kran.
Welcher Kran für welche Garage?
Eine Betonfertiggarage in Standardgröße wiegt etwa 10 bis 11 Tonnen, eine Doppel- oder Großraumgarage 20 bis 30 Tonnen. Das klingt nach viel, doch das Gewicht ist nur die halbe Wahrheit. In meinen Jahren im Mobilkranbau bei Liebherr habe ich eines immer wieder gesehen: Kalkuliert wird der Kran nach der Last, teuer wird es an der Ausladung. Jeder Meter, den die Last horizontal vom Kran entfernt hängt, senkt die Tragfähigkeit drastisch.
Für eine Fertiggarage von 20 Tonnen genügt bei 6 Metern Ausladung meist ein Mobilkran der 50-Tonnen-Klasse, bei 12 Metern Ausladung wird ein Gerät der 100- bis 130-Tonnen-Klasse fällig. Die folgende Übersicht gibt eine Orientierung aus der Praxis:
| Garage | Ausladung ca. 6 m | ca. 10 m | ca. 15 m |
|---|---|---|---|
| Einzelgarage, ca. 10 t | 30–40-t-Klasse | 50–60-t-Klasse | 70–90-t-Klasse |
| Doppelgarage, ca. 20 t | 50-t-Klasse | 70–90-t-Klasse | 100–130-t-Klasse |
| Großraumgarage, ca. 30 t | 60–70-t-Klasse | 90–110-t-Klasse | 130–160-t-Klasse |
Praxiswerte zur Orientierung, keine Traglasttabelle; eigene Markterfahrung über die gelisteten Kranvermieter. Stand: August 2026.
Welches Gerät wirklich passt, rechnet der Kranverleih anhand seiner Traglasttabellen und der Lage vor Ort aus. Ein dokumentierter Fall aus dem Bauexpertenforum zeigt, was die Ausladung ausmacht: Für eine Garage von 19 Tonnen war ein 80-Tonnen-Kran angeboten, vor Ort ergaben sich 12 Meter Ausladung, und es kam ein 120-Tonnen-Gerät. Die Nachberechnung ergab 814 € netto zusätzlich; davon entfielen 555 € auf drei Stunden Kranarbeit und der Rest auf Versicherung, Anfahrt und Zuschläge. Klären Sie deshalb vor der Beauftragung schriftlich, wer die Ausladung ausmisst und wer das Risiko einer Umplanung trägt.
Was der Kran kostet
Ein Autokran kostet 500–2.000 € pro Tag inklusive Kranführer, ein größerer Mobilkran 600–3.000 € pro Tag. Für das Setzen einer Garage fällt oft nur ein halber Tag an, viele Verleiher rechnen aber Mindesteinsatzzeiten plus An- und Abfahrt ab. Die Rechnung besteht typischerweise aus Kranarbeit nach Stunden, Anfahrtspauschale, Versicherung der Last und eventuellen Zuschlägen für Sondergerät. Detaillierte Preisspannen nach Krantyp und Tragkraft stehen in der Übersicht der Kranmietpreise.
Der Boden entscheidet
Ein Mobilkran stützt sich auf vier Pratzen ab, und jede leitet je nach Gerät und Hub zweistellige Tonnenlasten punktuell in den Boden. Verdichteter Schotter oder gewachsener Boden tragen das mit Lastverteilplatten in aller Regel; frisch verfüllte Arbeitsräume neben Neubauten, Pflaster über Leitungen oder Hanglagen sind dagegen die klassischen Problemzonen.
Ein Beispiel von meiner Plattform, anonymisiert: Eine 22-Tonnen-Garage, sieben Meter lang, sollte neben einem Neubau auf ein Streifenfundament. Als Standfläche stand eine geschotterte Fläche rund fünf Meter neben dem Fundament zur Verfügung, die Zufahrtsstraße war 5,5 Meter breit. Kurze Ausladung, tragfähiger Untergrund, und trotzdem ging die Anfrage an Anbieter, die Mobilkrane der 130- bis 220-Tonnen-Klasse vorhalten. Der Grund: Bei 22 Tonnen Last brauchen schon wenige Meter Sicherheitsreserve in der Ausladung die nächstgrößere Geräteklasse, und der Anbieter plant lieber eine Klasse größer, als auf der Baustelle umzudisponieren.
Was ein Kranstellplatz können muss, von der Flächengröße bis zu den Abstützdrücken, steht ausführlich im Ratgeber Kranstellplatz: Anforderungen, Größe und Untergrund.
Sonderfall: Die Garage steht im Weg
Manchmal ist die Garage nicht die Last, sondern das Hindernis. Ebenfalls aus meiner Vermittlungspraxis: Eine sechs Meter lange Schiebetür musste über eine bestehende Garage hinweg hinter das Haus, gefragt waren 20 Meter Ausladung bei geringem Gewicht. Solche Hübe erledigt kein Versatzfahrzeug, wohl aber ein Anhänger- oder Dachdeckerkran mit langem, schlankem Ausleger. Wenn Ihr Projekt so aussieht, beschreiben Sie in der Anfrage die Überfahrhöhe und die Distanz, nicht nur das Gewicht.
Diese fünf Angaben braucht der Kranverleih
Mit diesen Angaben bekommen Sie ein belastbares Angebot statt einer groben Schätzung:
- Gewicht der Garage laut Hersteller, inklusive Sonderausstattung wie Sektionaltor oder Putz
- Entfernung vom möglichen Kranstellplatz zum Fundament, grob mit dem Maßband gemessen; das ist die Ausladung, und sie bestimmt die Geräteklasse
- Untergrund am Stellplatz: Asphalt, Schotter, Pflaster oder Erdreich; ein Foto oder Lageplan sagt mehr als jede Beschreibung
- Zufahrt: Breite der Straße, Tore, Höhenbegrenzungen, letzte Kurve
- Wunschtermin und ob er fix ist, etwa weil der Hersteller die Lieferung schon terminiert hat
Kran für die Garage anfragen: mit diesen Angaben direkt kalkulierbar
Beschreiben Sie Gewicht, Entfernung und Untergrund in einem Satz (z. B. „Fertiggarage 11 t auf Fundament setzen, Stellplatz 8 m entfernt, Zufahrt 4 m, Schotter verdichtet“), ich leite Ihre Anfrage an passende Kranbetriebe in Ihrer Region weiter, kostenlos und unverbindlich. Wer Kapazität frei hat, meldet sich direkt bei Ihnen.
Häufige Fragen: Kran mieten
Was wiegt eine Fertiggarage?▼
Wer bestellt den Kran: Hersteller oder Bauherr?▼
Darf der Kran für die Garage von der Straße aus arbeiten?▼
Kann man eine Fertiggarage später versetzen?▼
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